Just two wheels

Der Herbst beginnt

22. September 2023

Woran merkt man, dass der Herbst beginnt? Genau! Man wird häufiger nass als sonst. Zum Glück hatten wir alle Zeit der Welt und können fast alle Regenschauer im Trockenen aussitzen!

Ausserdem ist unsere Zeckenbilanz zum schlechteren ausgefallen. Eine hat uns nun doch erwischt. Hoffentlich bleibt es die einzige!

Neben dem Regen und den Zecken möchte ich nun auch noch Tilmans neue Entdeckung vorstellen: "Svenska Kyrka - der grösste öffentliche Toilettenanbieter Schwedens".

Samstag 16.09.

"Liebes Tagebuch, heute bin ich mit Ilinca beim IKEA gewesen. Das war sehr schön. Wir haben sogar am Ende Hot Dogs gegessen!"

So könnte mein Tagebucheintrag heute aussehen! Aber es ist ja noch viel mehr passiert! Zum Abendessen waren noch Freunde von Ilinca und Oreen da. Dadurch warn wir mindestens genauso viele Nationalitäten am Tisch wie Menschen! Verrückt diese globale Welt! Zum Essen gab es natürlich Tacos, wie es sich für gut integrierte Ausländer in Schweden gehört. Insgesamt war es ein sehr bunter Abend und wir fanden es richtig cool nochmal weitere Freunde von Ilinca kennenzulernen. 5 Jahre waren doch eine ganz schön lange Zeit!

Sonntag 17.09.

Nachdem wir alle den Tag sehr gemütlich angegangen waren, starteten wir auch erst am späten Nachmittag, aber immernoch bei schönstem Wetter, zu Fuss in die Innenstadt. Ilinca, Oreen, Tilman und Ich gingen also den alt bekannten Weg ins Zentrum der Stadt zu Ilincas Lieblingscafé. Manchmal muss man es sich halt gut gehen lassen!

Zurück in der Wohnung ging das "sich gut gehen lassen" weiter. Mit Tiefkühlpizza und einem weiteren Teenie/Highschoolfilm aus den USA. Ach dieses "Normale Leben" hat auch so seine Vorzüge!

Montag 18.09.

Der Beginn der neuen Woche läutete auch den Beginn unserer letzten Etappe der Tour ein. Wir standen gemeinsam mit Ilinca auf um uns noch von ihr verabschieden zu können, bevor sie zur Arbeit geht. Mit Oreens Hilfe packten wir alle Sachen, inklusive der Räder in den Fahrstuhl und transportierten alles wieder nach unten auf die Straße. Dort verabschiedeten wir uns auch von Oreen. Er meinte die letzte Woche hat sich so angefühlt, als wären seine Cousins zu Besuch gewesen. Also verließen wir Uppsala mit der festen Absicht bald wieder zu kommen.

Die Landschaft in Uppland ist geprägt von kleinen, verstreuten Höfen, engen Straßen und sanften Hügeln. Im Kontrast zu den letzten Wochen wollten wir es langsam angehen lassen und planten die Route so, dass wir 70-80km pro Tag bis Lund zu fahren hatten. Dementsprechend viel Pause machten wir auch. Mal hier an einem See, mal dort an einem See bis wir zum nächtigen wieder an einem See ankamen. Hier erweckten wir mal wieder eine Armada von Mücken und mussten das Abendessen im Schutz unseres Zeltes einnehmen. Die ganzen Mückenstiche zählend, entdeckte ich einen fetten Hubbel hinten am Hals in der Nähe des Haaransatzes und fragte Tilman ob er sich das mal anschauen könnte. Eine Zecke... Das macht jetzt leider unsere "Zeckenfreie Bilanz" kaputt. Dieses Exemplar müssen wir uns wohl in dem kleinem Wäldchen in Uppsala eingefangen haben. Hilft leider nichts anderes als alles zu beobachten...

Bild von Zeckenbiss

Dienstag 19.09.

Ida an Zentrale.

Statusbericht: die Mückenfront hat leider nicht nachgelassen. Es scheint sogar, als hätten sie Verstärkung geholt. Wir werden überrannt. Erbitte Unterstützung.

Ida Ende.

An diesem Morgen war nicht so klar, wer der Gewinner der Schlacht "Tilman & Ida vs. Mücken" war. Alle Seiten haben gut was abbekommen.

Bild von Våsteros vom Wasser
Bild von Mückenschlachtfeld

Nachdem wir dem Massaker entflohen waren, fuhren wir am Wasser entlang nach Våsteros rein. Klingt wie aus einer Fantasysaga, oder? Da wir weiterhin dem Mälarsleden folgten, ging es auch durch die Häfen der Stadt. Hier wohnen also die Wohlhabeneren. Schöne Häuser mit Balkonen zum See raus, Seegelboote und kleine Yachten soweit das Auge reicht. Wir folgten dem idyllischen Radweg bis zum Lidl am Rande der Stadt. Gutes Frühstück muss sein :-) Beim Lidl zu frühstücken hatte auch einen weiteren Vorteil. Als es anfing heftig zu regnen, hatten wir gleich eine Unterstellmöglichkeit. Danach kam wieder die strahlende Sonne raus und der Himmel war blau. Ohne jede Wolke. Nur der Gegenwind war geblieben. Schätze jetzt läuten wir damit den Herbst ein. Wir fuhren weiter, gegen den Wind ankämpfend und machten 20km später wieder eine Pause auf der Parkbank. Zeit für ein Nickerchen. Die vorbeigehenden Omis mit ihren Rollatoren waren sehr amüsiert und irgendwie auch generell sehr guter Laune. Irgendwie süß! Als der Wind wieder an Fahrt aufnahm und die dunklen Wolken immer bedrohlicher wurden, suchten wir wieder Unterschlupf. Diesmal unter einer Eisenbahnbrücke. Keine Sekunde zu spät, denn der Platzregen fing aus dem Nichts an und dauerte eine gute halbe Stunde an. Heute hatten wir mal wieder Glück mit den Unterstellmöglichkeiten. Und wie heißt es so schön? Alle guten Dinge sind 3. Nachdem wir bis nach Köping nur gerade aus neben einer Straße und der Schiene gefahren waren, fanden wir ein Geschäft mit überdachtem Parkplatz, genau in dem Moment, als es wieder heftig zu regnen anfing. Wir Glückspilze!

Bild von Wir Glückspilze!

Die letzten Kilometer ging es dann, zum Glück trocken, auf kleinen, teils asphaltierten, teils kompaktierten Wegen entlang. Wir passierten kleine Höfe und Häuser, bis wir auf einer großen Parkwiese für einen Badeplatz landeten. Erstaunlicherweise wird es jetzt mittlerweile schon gegen 19:45 dunkel und so bauten wir unser Zelt in der angehenden Dämmerung auf. Weit weg von Bäumen, da in der Nacht wieder ein Sturm angesagt war.

Mittwoch 20.09.

Sicher und ausgeschlafen wachten wir auf der Parkplatzwiese auf. Irgendwie verrückt, wie sicher man sich schon in seinem kleinen Zelt fühlt!

Das Wetter war leider nicht ganz so vielversprechend. Es war sehr diesig und bis nach Örebro wurden wir ab und zu ein bisschen nass, als sich die "Wolke" durch die wir fuhren in grössere Regentropfen umwandelte. Am Rande der Stadt, fanden wir dann einen kleinen Unterschlupf. Natürlich neben einem Lidl.

Da es immer mal wieder "aufhörte" zu Regnen, nur um 5 Minuten später wieder anzufangen, blieben wir sogar ein paar Stunden in unserem kleinen Unterschlupf. Was wir dort machten? Schlafen, quatschen und Punto spielen. Und das so lange, bis die Sonne endlich wieder rauskam!

Bild von Zeit im Regen vertrödeln


Dadurch konnten wir uns Örebro und dessen imposantes Schloss sogar bei bester Beleuchtung anschauen! Die Stadt hat es uns echt angetan! Super gepflegt, schön und mit einem mittelalterlichen Flair.

Viel weiter als ein paar Kilometer hinter Örebro schafften wir es auch nicht mehr, dann ein super schöner, ruhiger See zog uns in seinen Bann. Dann wird wohl heute hier unser Nachtlager sein.

Bild von Schloss von Örebrö1
Bild von Schloss von Örebrö2
Bild von Fluss in Örebrö
Bild von Örebrö Stadt

Donnerstag 21.09.

Tilman war heute ein kleiner Morgenmuffel. Muss wohl auch mal sein, also machte ich mich schonmal daran unsere Sachen alle zusammenzupacken - ach ja - und den krassen Morgenhimmel zu fotografieren.

Bild von sonnenaufgang am See

Gemeinsam bauten wir dann das Zelt ab und fuhren nach Kumla um dort vor unserem Lieblingstourensupermarkt zu frühstücken. Die Sonne schien wunderbar auf die Solarzelle, doch wussten wir, dass es nicht ewig so weitergehen würde. Spätestens am nächsten Tag sollte uns die eine oder andere grosse Regenwolke einholen. Deshalb wollten wir heute so viele Kilometer machen wir möglich. Wir fuhren also weiter durch Kumla und suchten nach einer Toilette und Tilmans neues Motto "Svenska Kyrka - der grösste öffentliche Toilettenanbieter Schwedens" bewahrheitete sich mal wieder. Im Gemeindehaus neben der Kirche wurde ich fündig.

Den Rest des Tages ging es überwiegend an kleinen Strassen entlang. Durch Wälder, über Hügel, durch schnuckelige Dörfer.

Bild von Beispielstraße

Die nächste grössere Stadt, Motala, betraten wir dann an einem idyllischen Kanal, der uns bis zur Mündung mit Schwedens zweitgrösstem See Vättern führte.

Bild von Brücke Mostara

Irgendwie ist am Wasser entlangfahren immer super beruhigend. Als sich die Sonne schon dem Horizont neigte besuchten wir noch Vadstena. Ursprünglich eigentlich nur, weil wir auf der Karte Umrisse einer Burg gesehen hatten und neugierig waren. Dies "Umweg" hat sich allemal gelohnt! Die Stadt ist wie aus einem Bilderbuch aus dem Mittelalter. Sogar mit einer Pilgerstädte für die Pilgerer des Brigittenleden. Die Burg war auch alles andere als klein, super gut erhalten und umgeben von einem grossen, mit Wasser gefüllten Burggraben.

Bild von Brigittaleden
Bild von Vasteda Schloss 1
Bild von Vasteda Schloss 2
Bild von Vasteda Schloss 3

Etwas aus der Stadt raus suchten wir uns dann einen Zeltplatz entlang der Strasse und ein bisschen versteckt. Gerade bei so bewirtschaftetem Ackerland ist es garnicht so einfach ein gutes Plätzchen zu finden.

Freitag 22.09.

Mal wieder ein früher Morgen. Als wir gegen 6:30 unsere Köpfe aus dem Zelt regten, wurden wir Zeugen eines wunderschönen Sonnenaufgangs, der die kleinen Wolken am Horizont von unten rot-orange anleuchtete.

Bild von Der Himmel brennt

Schnell war alles zusammengepackt und wir auf der noch relativ leeren Strasse. Das Wetter war sehr merkwürdig, denn über den Himmel zogen sich die Wolken wie ein Schleier. Nicht unbedingt dicht, aber auch nicht so, als dass die Sonne gegen sie ankommen würde.

Bild von Wolken vs Sonne

Als wir den Mytenumragten Omberg umfuhren, trafen wir auf eine alte Klosterruine in Alvastra. Noch ziemlich gut erhalten und dank Tilmans Internetrecherche erfuhren wir auch, dass es sich um ein altes Zistinerkloster handelt und nach dessen "Fall" die Steine unteranderem für das Schloss in Vadstena, welches wir gestern gesehen hatten, genuzt wurden.

Bild von Kloster Alavastra
Bild von Kloster Alavastra

Irgendwie ist hier am Vättern alles miteinander verbunden. Es gibt auch mehrere Pilgerwege am und um den See herrum. Beispiele sind der Brigittaleden, Klosterleden und der Franciskusleden. Super spannend diese Gesamtheit zu sehen!

Pause machten wir dann in Ödeshög mit dem Ziel ein bisschen Zeit in der Bibiliothek zu verbringen. Da wir etwas zu früh dran waren, sassen wir noch ein bisschen vor dem Hauptplatz und frühstückten Quark vom ICA. Da kam plötzlich eine nette, blonde Frau und sprach uns auf schwedisch an. Meine Erwiederung "Tyskland" war wohl nicht die richtige, denn sie checkte schnell, dass wir wohl nicht schwedisch sprechen. Sie war von einer lokalen Zeitung und fand unsere Räder wohl sehr lustig. Eigentlich wollte sie nur kurz einkaufen, sah aber wohl eine gute Story in uns. In einem Moment isst man Frühstück, im nächsten Moment gibt man ein Interview. So spielt das Leben manchmal. Zwischendurch kam auch noch ein älterer Herr aus der Bibiliothek raus und meinte in der Bibiliothek gibt es WLAN und da ist warm und so. Wir versprachen in unserem schlechten Schwedisch auch gleich reinzukommen. Das taten wir auch und sitzen nun in einer super gemütlichen Bibiliothek.

Als es langsam Zeit wurde wieder zu gehen, fuhren wir zu einem Platz mit Picknicktischen. Leider mussten wir vor Ort feststellen, dass es zwar ein sehr schönes Plätzchen zum zelten gewesen wäre, aber eben dieses hier leider verboten war. Genau in dem Moment kam eine schwedische Mountainbikerin vorbei und wir fragten sie, ob sie denn einen guten Ort kenne. Sie meinte in Ödeshög gebe es einen Skiclub, wo sie häufiger Wohnwagen vor stehen sieht und sie kennt die Leute da. Gesagt getan. Sie fragte und wir durften dort unser Zelt auf dem Rasen aufschlagen - sogar mit Dusche und Sauna! Was für ein tolles Ende der Woche!

Bild von vättern